Idee & Entstehung
Bald 20 Jahre Winni Winzig - Autorin Astrid Pfeiffer blickt zurück
Die Entstehungsgeschichte von Winni Winzig als Buch reicht ins Jahr 2008 zurück - ein Jahr nachdem Winni, 4 Monate jung, aus 'seinem' Tierheim auf der griechischen Insel Aegina zu uns ins Müncher Umland gekommen war.
Heute weiß ich, dass sein schüchterner Blick auf den Fotos aus Griechenland und das Bild, auf dem er wackelig und einsam drei Meter hinter seinen Geschwistern stand, uns Warnung hätten sein müssen: Winni war der Kleinste und (vermeintlich) Schwächste der 5 Brüder und Schwestern, ein Spätentwickler, und er war anders als seine Geschwister und anders als Benni und Fetzi, die schon bei uns lebten.

Foto: Wackeliger Baby-Winni im Tierheim, versteckt hinter seinen Geschwistern
Aber er war eben auch sehr süß, so drahtig-dünn und winzig wie er war, und deshalb konnte ich nicht anders: Winni, in Griechenland noch Grisu genannt, kam zu uns. Wie sehr er durch seine Anwesenheit unser Leben verändern würde, konnte ich mir damals natürlich nicht im Entferntesten vorstellen.
Tja, und so kam es dann: Die Welt jenseits seines Gartenzauns erwies sich als maximale Herausforderung für Winni und uns. Der Arme tat mir ganz furchtbar leid. Ich hatte keine Ahnung, wie man mit einer so winzigen, zitternden Handvoll Hund umgeht, und machte sicher alles Mögliche falsch.
Informationen gab es in den 2000er-Jahren noch nicht so viele und nicht so fundierte wie heute, Social Media-Videos zum Nachmachen schon garnicht. Es lief nach dem Prinzip 'Versuch und Irrtum'. Aber ich denke, wir haben auch sehr viel richtig gemacht. Vor allem haben wir uns Tag für Tag mit und für Winni um ein entspannteres Leben bemüht.

Foto: Baby-Winni im Tierheim
Erste Tagebuch-Notizen
Eines Tages begann ich, besonders denkwürdige, kuriose, witzige oder tragischkomische Ereignisse lose mitzunotieren- noch ohne jeden Gedanken daran, dass daraus ein Buch werden könnte und dann auch noch eines, das (Stand heute) mehrere Tausend Menschen kaufen würden, mit Plüsch-Winnis und Schlüsselanhängern. Was ihm bzw. uns beiden tagtäglich widerfuhr, war so besonders, dass ich einfach das Bedürfnis hatte, einiges davon schriftlich festzuhalten.
Natürlich erforderte der Umgang mit Winni sehr viel Zeit, die ich damals auch voller Energie und erfüllt von dem Willen, ihm zu helfen, aufbrachte. Wir übten fleißig, und alles wurde nach und nach besser. Zwei Schritte vor, einer zurück, aber es wurde besser. Diesen Gedanken habe ich später in der Kapitelüberschrift 'Das Gewinner-Projekt' aufgegriffen. Aber wir beide, vor allem unser Winni, brauchten auch immer wieder große Pausen, um das Erlebte zu verarbeiten.
Entwicklung zum Buch
2009, Winni war zwei Jahre alt, ich 39, verdichteten sich die einzelnen 'Anekdoten' aus unserem Leben in meinem Kopf zu einem (noch lückenhaften) Text und ich dachte mir erstmals: 'Lieber Winni, aus dir können wir ein Buch machen!' Von dem Einwand 'Es gibt doch schon so viele Bücher' ließ ich mich nicht beirren.
Durch meine langjährige Tätigkeit bei der 'schreibenden Zunft' in den 1990er und 2000er Jahren hatte ich Erfahrung im Erkennen von Themen. Jeder Aspekt des Lebens und des Alltags ist auf seine Weise interessant. Und so begann ich, ernsthaft am Buch 'Winni Winzig' zu arbeiten. Der Name war quasi gesetzt; alles an Winni war winzig, wie auch im Buch beschrieben. Sein Selbstvertrauen, seine Gestalt .... und sogar die Sprenkel auf seinem Fell.
Wildfremde Menschen ansprechen, um Bücher zu verkaufen?
Im Dezember 2010 war Winni Winzig in einer 1200er Auflage gedruckt, und Anfang Januar 2011 fuhr ich mit einem Karton Bücher zu einer großen Messe 'rund um den Hund' nach Münster (was von München aus nicht gerade der nächste Weg ist, schon garnicht im Winter). Ich fand einen Aussteller, der mir eine Ecke seines Messestands zur Verfügung stellte, baute meinen Bücherstapel auf und fing an, Besucher anzusprechen. Einfach so. Und das, obwohl mir das Ansprechen fremder Menschen nicht gerade in den Genen liegt.
Nach 2 Tagen hatte ich 45 Bücher zu je 14,90 Euro verkauft - an Laufkundschaft natürlich, denn mein Buch war ja völlig neu und absolut unbekannt. Niemand hatte je davon gehört. (Foto unten Messestand Dortmund 2014)

Foto: Improvisierter Winni Winzig-Stand
Woher nahm ich die Zuversicht und das Selbstvertrauen, wildfremde Menschen anzusprechen und ihnen etwas verkaufen zu wollen? Das hatte ich nie zuvor getan.
"Das ist kein klassisches Hundebuch"
Ich hatte einfach ein gutes Gefühl - und die Rückmeldung des Chefs eines Mediendienstleisters, der Satz und Druck der allerersten Auflage übernommen hatte. Der Mann war zuvor Geschäftsführer eines großen Buchverlags gewesen, und er hatte mir noch vor der Drucklegung gesagt: 'Das ist kein klassisches Hundebuch, was Sie da geschrieben haben! Das eignet sich auch für Menschen, die Schwierigkeiten haben und unsicher sind.'
Ich muss zugeben: So hatte ich mein Buch noch garnicht betrachtet!
Heute ist mir klar: Winni Winzig war von Beginn an eine Geschichte, die nicht nur mit Winnis Ängsten, Sorgen und Hoffnungen und seinem Blick auf die Welt (so wie ich ihn mir vorstellte), sondern auch mit meinen eigenen Ängsten, Sorgen und Hoffnungen zu tun hatte. Der gleiche Kampfgeist bei Winni und mir, die Hoffnung auf Fortschritte und zugleich auf mehr Akzeptanz durch die Menschen da draußen ('jenseits des Gartenzauns').
Können Hunde Autisten sein?
ADHS haben? Angststörungen? Neurologisch einfach 'anders sein'?
Neurodiversität bei Vierbeinern - gibt es das? Wir Menschen sind natürlich nicht alle gleich; wir haben unterschiedliche Gene, unterschiedliche Herkunftsfamilien mit unterschiedlichen Geschichten, Traditionen, sozialen und finanziellen Voraussetzungen, unterschiedliche Möglichkeiten für Lernen und Entwicklung und so fort.
Wir sind in dieser Vielfalt ganz genau so wie unsere Mitgeschöpfe auf vier Pfoten - Hund, Katze, Maus, Elefant & Co. in ihrer jeweiligen Welt. Auch unsere Hunde bringen ihre ganz persönliche Veranlagung mit und reagieren auf ihre ganz individuelle Weise auf ihr Lebensumfeld.
Biochemie, Neurologie, Hormone und vieles mehr gibt es hier wie da, in der vierpfötigen Welt genauso wie in der zweibeinigen. Und ergo auch Angst, Sorgen, Freude, Glück und vieles mehr. Ich sage immer: Es ist alles Biologie.
Deshalb würde ich - mit dem was ich heute über Neurodiversität weiß - rückblickend sagen: Unser Winni war ganz klar Autist, mit diversen, vom Menschen ebenfalls bekannten Begleiterscheinungen - Reizüberempfindlichkeit, Erschöpfung, Angststörung, Panikattacken, Probleme im sozialen Kontext, also im Umgang mit anderen Hunden und mit fremden Menschen.
Dürfte ich die Zeit auf 2007 zurückdrehen - ich würde einiges anders machen mit ihm. Ihn stärker beschützen, weniger Anpassungsleistung von ihm erwarten. Damals dachte man, man müsse einen Hund, der anders ist, einfach nur professionell genug erziehen. Was für ein Trugschluss!
Bereichernde Zeit mit vielen Kontakten
Weit über hundert Hunde-Events sowie hunderte Facebook-Kontakte - mit meist sehr, sehr netten Gesprächen - sowie hunderte Bestellungen später sah ich also dann vieles klarer als zu Anfang: Winni Winzig betrifft uns irgendwie alle. Viele, viele Gesprächspartner/innen haben mir bewegende, lustige, ermutigende eigene Erlebnisse zu diesen Themen berichtet. Das war eine sehr bereichernde Zeit.

Foto: Plüsch-Winnis der ersten, ausverkauften Auflage
Doch 2017, als unsere so souveräne Fetzi plötzlich krank wurde, endete das Reisen arupt. 2018 musste ich Fetzi mit 11 Jahren gehen lassen, 2019 mit 13 Jahren meinen liebenswerten grauen Benni, 2021 mit 17 Jahren Winnis Mama, die liebe Grazia, und 2024 mit fast 18 Jahren unseren geliebten Winni - unser 'ewiges Nesthäkchen'.
Wenn Loslassen schwerfällt
Wobei ich zugeben muss, dass ich sie allesamt nicht loslassen konnte. Loslassen ist nicht so meine Stärke. Das Reisen auf Hunde-Events, das Verkaufen der Bücher - ohne meine Hunde für mich einfach nicht mehr denkbar. Es gab zwar 2022 nochmal ein neues Cover und 2023 ein weiteres, samt Vertriebsvertrag mit einem Großhändler, aber selbst aktiv war ich nicht mehr.

Foto: Alle Vier (Fünf) auf großer Fahrt
Neustart für Winni Winzig
Jetzt, 8 Jahre später, kann ich sagen: Es ist okay. Und nur deshalb kann ich auch wieder anfangen zu überlegen: Was mache ich nun mit Winni Winzig? Die Geschichte ist für die Ewigkeit, die Botschaft ist zeitlos, das passt immer und für jede(n). Werde ich wieder aktiv?
Und die 600 Plüsch-Winnis der ersten Auflage waren alle verkauft - soll es nochmal neue geben?
Was soll ich sagen: Voilà, here we are, da sind wir: Neue Plüsch-Winnis, designt und handgenäht in Thüringen ('Handmade in Germany'), wirklich toll gelungen - spitzenmäßig gearbeitet, edel, kuschelweich und mit 30cm ein ganzes Stück größer als die Plüsch-Winnis der ersten Auflage.
Made in Germany hat leider seinen Preis; die neuen Plüsch-Winnis kosten 2026 in der Herstellung ein Vielfaches vom Herstellungspreis des 'alten' Winnis 2011. Aber sie halten dafür auch ewig.
Im Gegenzug biete ich aber die Bücher jetzt günstiger an; insbesondere die früheren Cover-Varianten (gezeichnet und petrolblau). Der Text ist ja bei allen Cover-Varianten gleich.
Das Kinderbuch ist ebenfalls wieder erhältlich; die llustrationen viel Liebe händisch angefertigt.
Neu ist das E-Book zum Download. Je mehr das nutzen, desto besser, denn der Druck neuer Bücher erfordert Papier, und da sollten wir der Umwelt zuliebe so sparsam wie möglich sein.

Foto: Winni im mittleren Alter mit seiner Plüsch-Katze, schon viel mutiger
Anmerkung: Die Rechte an allen Fotos in diesem Artikel liegen bei Dipl. Pol. Astrid Pfeiffer.